Schwarze Schafe + Schwarze Schwäne
Es ist doch erstaunlich bis peinlich, wie uns die Tierwelt dieser Tage bewegt und emotionell berührt. Schwarze Schwäne + Schwarze Schafe, zwei Geschichten aus einem Tierbuch – von tierliebenden Menschen bis hin zu den trivialsten Einwegpolitikern, welche in ihrem Verhalten entschuldigt sind, da sie es naturgegeben einfach nicht besser können.
Vorneweg zum Schaf, dem schwarzen.
Alle wissen, was damit angesprochen wird und welche Botschaft mit diesem Tier zwei- oder mehrdeutig politisch transportiert wird. Eigentlich ist doch dieses Thema so langweilig und ideenlos wie das „Schäfchen zählen“ beim einschlafen. Ist es nicht immer eine Frage der Sichtweise, wer, warum einen schwarzen Schafspelz trägt? Tatsache ist, dass die schwarzen Schafe in der Herde markanter auszumachen sind und damit gewollt oder ungewollt ins Rampenlicht gestellt werden.
Wer durch Schicksalsschläge und Unverschulden eine solche Rolle leben muss, ist nicht zu beneiden und gesellschaftlich zu stützen.
Wer sich die Rolle des schwarzen Schafes durch aktives Fehlverhalten in der Gesellschaft selber aussucht, ist zu Gunsten der Gesellschaft mit allen Konsequenzen in die Schranken zu weisen.
Wer sich der aktuellen unbedachten Hurra-Festhüttenpolitik anschliesst, fördert damit die politische „Trivialbolzerei“ und verwirft die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft.
Es sei also wohl überlegt, wer hier das schwarze Schaf symbolisiert.
Nun zum Schwan, dem schwarzen.
Der „Neuzuzüger" hat sich auf unserem See prächtig entwickelt – es scheint dem Gefieder zu gefallen. …. „es seien nun zu viele davon“ … „und seien daher zu dezimieren“ …
Ist wirklich die Lösung darin zu finden, wenn es nun zu viele dieser schwarzen „Schafe“ gibt – eben nicht einheimische – diese einfach zum Abschuss freizugeben? Auch hier ist wieder die Frage der Sichtweise zu stellen.
Verschieben wir uns gedanklich z.B. nach Neuseeland, dort gibt es Schwarze Schwäne wie Sand am Meer. Weisse Schwäne gelten auf der anderen Seite der Erde als Attraktion.
Mit einer etwas weltoffeneren Betrachtung stelle ich aus der neuseeländischen Erfahrung fest, dass die schwarzen Schwäne nun auch wieder nicht so speziell sind. Da diese in unserer Region in einer Minderheit vertreten sind, fallen sie auf und verleiten zum „jöö-lueg-einisch-schwarzi-Schwän“ –Effekt. Es ist schön, dass diese Tiere da sind - elegant und schützenswert, wie übrigens so manche andere Tierarten auch.
Ob nun die schwarzen Schwäne in Thun wirklich die schwarzen Schafe sind? Ich bin der Meinung: Nein.
In der kommenden Herbstzeit wünsche ich den schwarzen Schwänen einen freien Lebensraum – und all jenen welche mit schwarzen Schafen in Plakatform nur so um sich werfen, wünsche ich ein gefiedertes Schwanenkleid, welches ihnen die Eigenschaft des Fliegens verleiht. Fliegen deswegen, da es auch diesen Menschen gut tun würde, etwas Distanz zur eigenen Flachbodenpolitik zu gewinnen, um damit der sachlichen Diskussion eine Chance zu geben.
Zum Schluss fordere ich all jene mit dem Finger am Abzug und dem Auftrag die schwarzen Schwäne zu erschiessen auf; vor dem Abdrücken tief durchzuatmen und sich dabei zu überlegen, ob sie im nächsten Moment einen schwarzen Schwan oder ein schwarzes Schaf erlegen.
Matthias Zellweger