Joghurt

 

Joghurts sind fein, fruchtig, kühl, frisch und zauberhaft. Vom Natur-Joghurt bis zum Schoggi-Joghurt – der Joghurt lächelt uns in der Warenauslage entgegen und scheint zu sagen: wähle doch mich?

Der Joghurteinkauf und die Politik haben da vieles gemeinsam: man kriegt, was man gewählt hat - nicht mehr und nicht weniger.

Es sei also wohl bedacht, was man beim Einkauf wählt. So ist es in der Politik nicht anders; die durch uns gewählten Politiker nehmen direkten Einfluss auf unser Wohl- oder Unwohlsein.

Der Joghurt ist einmal abgelaufen, das Valutadatum ist überschritten, dann wird die Sache ungeniessbar.

Wie Sie sicher auch, achte ich beim Kauf des Joghurt auf das Valutadatum; es kauft doch niemand einen Joghurt mit einem überschrittenen Valutadatum, oder doch? Eigentlich sollten solche Produkte auch gar nicht mehr auf dem Markt angeboten werden.  Nun gut - dem Joghurt selber kann man ja keinen Vorwurf machen – so hat z.B. ein Natur-Joghurt ja keine wirklich eigene Intelligenz. Somit merkt der Joghurt im Regal selber gar nicht, dass er abgelaufen ist. Er bleibt dann so lange stehen bis er aus dem Regal entfernt wird. Daher stammt denn wohl auch der nicht unzutreffende Gassenausdruck; „Er oder Sie hat eine Intelligenz oder politische Kraft wie ein Natur-Jogurt.“  Etwas hart im Ausdruck aber bildlich einfach vorstellbar. Kehren wir es noch um; hätte der Joghurt wirklich eine Intelligenz, würde er von sich aus am Tag des Valutadatums selber aus dem Verkaufsregal heraus springen.

Haben Sie schon einmal einen abgelaufenen Joghurt aufgemacht? Man macht dies ja eigentlich immer, denn man will sich ja davon überzeugen, dass das Joghurt nicht doch noch geniessbar ist. Ist das Deckeli abgezogen, präsentiert sich meist ein unschöner Anblick. Prüfend riechen wir mit der Nase und nehmen dann eventuell noch ein „Versücherli“ mit dem Löffeli, um zu testen, ob nicht doch noch … und was geschieht dann? In 90% aller Fälle werfen wir zur Sicherheit den Joghurt weg, denn wir wollen ja kein Risiko eingehen. Aha!

Und was machen wir mit den Politikern wenn das Valutadatum abgelaufen ist?

 „Wähl mich“ steht auf der Verpackung - „ich bin das hellste im ganzen Lande“. Warum wohl lassen wir uns immer wieder von dieser Verpackung blenden und greifen in der politischen Joghurtauslage in das Regal der abgelaufenen Produkte? Ist es uns denn wirklich so egal, was wir täglich aus unserer Politik ernten?

Wie im Joghurt-Verkaufsleben stehen die frischen und fruchtigen Joghurts immer in der hinteren Reihe - man sieht diese selten, denn die längst abgelaufenen Joghurts in der vordersten Reihe verdecken die Sicht auf das nachrückende Angebot.

Neue Joghurts haben den Nachteil, dass man diese noch nicht so genau kennt, haben aber den grossen Vorteil, dass sie noch frisch sind und für die aktuellen Probleme unserer Zeit keine Zapfen auf den Ohren haben.

Bringen wir es doch auf den Punkt. Die Stadt Thun hat ein Finanz- und massives Führungsproblem in der Exekutive. Das ist nicht neu. Es fehlen konkrete Absichten und glaubhafte Personen, die überzeugen und sich durchsetzten. Alle wissen es: so kann es nicht weitergehen.

Der aktuelle Gemeinderat  hat mehrheitlich im Kollektiv enttäuscht. Wahrnehmbare Resultate sind langsam zu verzeichnen, dies sind jedoch meistens die positiven Produkte der operativen Verwaltung und nicht der strategischen Führung (Gemeinderat).

Welche Politik wollen Sie? Welchen Joghurt wählen Sie? Achten Sie auf die Qualität, das Valutadatum und die Marke. Ihrer Gesundheit und unserer Stadtentwicklung zu liebe.

Treffen Sie eine Wahl auf welche Sie noch morgen Lust haben – so richtig zum Reinbeissen. Wenn es um Politiker oder Politikerinnen geht dürfen Sie sich das einfach nicht zu bildlich vorstellen.

 

Matthias Zellweger