Ich steh auf Max!
Bis vor ein paar Jahren habe ich Max noch nicht gekannt. Heute begegne ich Max jeden Tag und immer, wenn ich ihn antreffe, ist er „blau“. Wer ist denn Max? Was macht Max so attraktiv?
Wie oft im Leben sind es Schnittstellen von verschiedenen Begebenheiten und die plötzliche Entdeckung von interessanten Verknüpfungen auf dieser „Datenkreuzung“ welche dazu führen, dass das „Zwänzgi abegheit“. Genau in so einem Moment habe ich Max kennengelernt; nach der Arbeit, auf der Strasse vor der Haustüre.
Als Max nach Thun kam, waren nicht alle erfreut. Die meisten haben sich über Max geärgert. Um genau zu sein eigentlich nicht über Max, sondern über jene, die Max nach Thun gebracht haben.
Max ist übrigens nicht alleine nach Thun gekommen. Mit ihm sind auch alle seine Zwillingsbrüder erschienen, Hunderte und alle heissen Max - hier ein Max und dort ein Max. Nicht Peter, nicht Hansueli – nein, alle heissen Max.
Dass Max notabene in Thun ist, haben wir unserem Gemeinderat zu verdanken. Der Gemeinderat hat Max nach Thun eingeladen, damit Max für Ordnung im System sorgt und mithilft das Stadtkässeli zu füllen.
Wer nicht von hier ist und Max zum ersten Mal sieht – wenn er ihn überhaupt erkennt - zeigt wenig Verständnis. Wer Max nicht kennt, der wird mit einer Busse bestraft.
Ich steh auf Max! Das passiert mir jeden Tag. Wenn ich aus meinem Auto aussteige, steh ich zuerst auf Max – ob ich will oder nicht.
Max hat man übrigens deshalb auf die Strasse geschrieben, da kaum jemand die Hinweistafeln hoch oben in den Bäumen beim Stadteingang erkannt und gelesen hat. Max ist ja eigentlich die kommunikative 08-15-Aktion, welche nicht über das Niveau eines altbackenen Kochrezeptes für ein Spiegelei hinauskommt. Eingeführt, um uns dazu einzuladen, unsere Parkgebühr zu bezahlen.
Max ist in der Kommunikation immer beschränkend und limitierend; „bis dann - dann ist Schluss!“.
Nützen tut MAX nicht viel, denn es heisst nicht, dass wer _ lesen kann_ auch kapiert, was am Boden steht.
Max steht für mich symbolisch dafür, wie wir in der heutigen Zeit versucht sind, Alles und Jedes zu regeln, zu verbieten und zu limitieren.
Sollte man sich nicht – unabhängig von Max – zuerst überlegen, was man dem Volk bieten möchte, bevor man dem Volk etwas verbietet?
Diese Parkplatzbewirtschaftungsübung hätte doch geradezu dazu eingeladen, einen attraktiven und kommunikativen Beitrag für unsere Stadt zu leisten.
Bevor wir schreiben sollen wir denken – das haben wir doch einmal gelernt.
Es ist doch zum Beispiel viel freundlicher wenn wir positiv kommunizieren was möglich ist und nicht warum etwas nicht gehen soll …
Kommunikation wird wahrgenommen, wie dies der Fall von Max zeigt. Es ist nicht ausreichend, die Kommunikation mit einer dafür geschaffenen Stelle als erledigt zu betrachten. Kommunikation muss vorgelebt werden. Hier sind wir alle gefordert – die Botschafter unserer Stadt Thun im Allgemeinen wie der Gemeinderat im Speziellen.
In dasselbe Fahrwasser gehört die Geschichte mit dem Plakat entlang der Autobahn: „Thun – Stadt der Alpen!“ Ein Leitspruch, der kurz nach der Schlacht zu Morgarten dort angebracht wurde und seither – obwohl wir _ zwischenzeitlich „Lieben und Leben“ – nur noch Schimmel ansetzt.
Bei einer letzten Vorbeifahrt habe ich das heruntergekommene Plakat auch wieder gesehen und war mir bei dessen Anblick nicht ganz sicher, ob da nicht das Wort „Alpen“ durch das Wort „Alten“ erneuert wurde: „Thun, Stadt der Alten“! Ich muss mich wohl verguckt haben und möglicherweise hat mich auch nur die Stapi-Kandidatur von Frau Ursula Haller im Unterbewusstsein zu diesem Gedanken angeregt.
Kommunikation ist mehr als die halbe Miete. Wer falsch kommuniziert oder einfach nur viel „laferet“ ohne dabei etwas zu sagen, irritiert seine Mitwelt.
Thun hat es seit der Kopfverteilung am Rütlischwur in weiten Teilen nicht geschafft das was wir haben erfolgreich zu kommunizieren. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass sich die Kommunikationsverantwortlichen unserer Stadt beim Rütlischwur nicht der Kopfkiste statt dessen aber der Salatkiste bedient haben. Wenn das tatsächlich so ist, kann ich heute nachvollziehen, dass es mit einem Salat auf den Schultern nicht möglich ist unsere Stadt nach Innen wie nach Aussen besser zu kommunizieren und zu verkaufen.
Wenn Sie Max begegnen, lassen Sie ihn herzlich grüssen.
Matthias Zellweger