Farbige Köpfe – Hellblau liegt im Trend
Die Herkunft von farbigen Köpfen kennt verschiedene Ursachen und ist ein offensichtliches Signal für einen veränderten Gemütszustand oder einen äusseren Einfluss. Wechselt die menschliche „Laterne“ von der einen auf die andere Farbe, fällt dies auf. Wer glaubt, dass „rot“ die häufigste und bekannteste Kopffarbe ist, liegt falsch – der Trend heisst: Hellblau.
Es ist eine fortlaufend und eine sich rasch veränderte Zeit in welcher wir heute leben. Der rasche Wandel kann nicht von allen Zeitgenossen konstruktiv aufgenommen werden und zu Gunsten eines positiven Wandels umgesetzt werden. Dieser Wandel beschert verschiedene Gesichtsfarben und ist Ausdruck von unerwarteten Situationen, Überforderung z.B. mit der Technik oder emotionalen Berührungen.
Die rote Gesichts- oder Kopffarbe ist wohl häufig anzutreffen, liegt jedoch nicht mehr so im Trend. Rot galt einst als Ausdruck bei erhitztem Auftreten, sei es in der sportlichen oder politischen Arena. Mittlerweile sind die Sportler so gut trainiert, dass diese keinen roten Köpfe mehr kriegen. In der politischen Zunft werden Gerüchte zu Halbwahrheiten verdreht und diese wiederum zu Tatsachen gebügelt. Es wird gelogen und erfunden, dass sich die Balken biegen … und das Ganze ohne eben rot zu werden.
Nicht nur die uns präsente und medial wahrnehmbare oftmals „sportliche Politik“ ist damit angesprochen, sondern auch die eigentliche Politik am Stammtisch oder bei der Unterhaltung über den Gartenzaun. Es fehlt zu oft der Respekt, so dass im Umgang mit anderen Menschen die Grenzen des Verletzens überschritten wird.
Nahe am roten Kopf liegt der sogenannte grüne Kopf. Grün im Gesicht erzählt eigentlich eine magenverstimmte Vor- oder Nachgeschichte. Nicht ganz appetitlich, dafür aber ehrlich im Ausdruck. Im aktuellen politischen Alltag gilt die grüne Farbe nun nicht mehr den „Grünen“ sondern der salatpflanzenden Partei, welche ohne roten Kopf zu kriegen ihre Mühe im Umgang mit der Tierwelt – dem Steinbock aus Graubünden und dem Berner Bären offen legt. Der Vorteil liegt hier bei den Tieren, niemand sieht dass diese rote Gesichter bekommen.
Womit wir bei der Tierwelt angelangt sind. Hier scheint die Welt und die Kopf- wie die Gesichtsfarbe noch geregelt zu sein. Rote Ameisen, blaue Fische, grüne Schlangen, bunte Vögel, orange Dinosaurier und hellblaue Pinguine. Einschub: Orange Dinosaurier? Sie kennen diese nicht? Haben Sie noch nie das Vaporama in der Thuner Schadau besucht? Dort stehen noch die fauchenden Zeitzeugen der Dampftechnik …
Und dann eben die Pinguine mit den hellblauen Köpfen. Wunderschöne Tiere in einer faszinierenden Umwelt. Haben Sie diese hellblauen Pinguine nicht auch schon in Thun gesehen? Es gibt diese Spezies tatsächlich – nicht nur in Thun – es scheint ein überraschendes internationales Phänomen zu sein. Die Dinger sind nachtaktiv und präsentieren ihre hellblauen Köpfe immer dann, wenn Sie das Gegenüber nicht mehr interessiert, sie den Respekt gegenüber der Umgebung verlieren oder sie, umringt von anderen Spezies, ihr introvertiertes Dasein extrovertiert zeigen.
Gemeint damit sind alle jene Händy-Nutzer, welche in der Dunkelheit (man sieht mich ja nicht) und bei ausgeschaltetem Tastenton (man hört mich ja nicht) ihre doch so wichtigen Mails und SMS erledigen. Das Licht des Spielgerätes erleuchtet im Dunkeln ihre Gesichter und lässt diese als - ich habe sie „hellblaue Pinguine“ getauft - erscheinen.
Ganz ohne Hemmungen und ohne rot zu werden erledigen sie, was eine Stunde später nicht geschrieben werden könnte. Vorne auf der Bühne strengen sich Künstler mit grossartigen Darbietungen an und vollbringen Meisterleistungen … aber nein, man ist konsequent, lässt sich vom Display hellblau erleuchten und zeigt deutlich: Mich interessiert die Umgebung einen Kecks, ich habe Wichtigeres zu tun.
Endlich wieder eine Generation welche Farbe zeigt und bekennt – direkt und offensichtlich – man weiss bei diesen Menschen wenigstens woran man ist, auch wenn diese dabei nicht rot werden.
Gesellschaftstauglichkeit, Respekt, Kopf- und Gesichtsfarbe kennen einen nicht immer offensichtlichen Zusammenhang. Dennoch ist es dabei wichtig zu wissen, dass schon anno dazumal - es war vor vielen hundert Jahren, als ein jeder seinen eigenen Kopf selber auslesen konnte; Da gab es Personen welche ihren Kopf aus der richtigen Kiste ausgelesen haben und andere, welche ohne rot zu werden in die Kopfsalatkiste gegriffen haben … sich dann anschliessend das Ding in das Loch zwischen die Schultern gepflanzt haben …
Also, wenn Sie das nächste Mal im Theater ihre Hausaufgaben erledigen, schalten sie das Licht aus, fahren Sie mit der freien Hand durch Ihre Haarpracht und prüfen Sie, ob sie nicht Salat zwischen ihren Fingern fühlen. Ihr Sitznachbar könnte rot werden wenn er merkt, dass er neben einem hellblauen Salatkopf sitzt …
Matthias Zellweger