Der Thunertaucher ..."und Tschüss!"
Es ist Ferienzeit, „Thun taucht wirtschaftlich ab“ wurde ganz still im „Thuner Tägu“ gemeldet ... Im nationalen Städte-Ranking liegt unsere Stadt auf Rang 88 - ein jämmerliches Resultat für die 11. grösste Schweizerstadt – ein zu erwartendes Resultat für die schönste Provinzstadt der Schweiz.
„He nu“ dachte ich mir „abtauchen tut eigentlich gut. Ab in die Stille, weit weg vom Ort der Hektik, der Ungeduld und der überscharfen Sichtweise auf Dinge die uns oft eigentlich gar nichts angehen“.
Wer wirklich taucht, der kennt und schätzt die Faszination der anderen Welt. Taucht man ab, entsteht oft eine unerwartete Perspektive. Eine beschlagene Brille zum Beispiel reduziert die Übersicht in der Tiefe, die Kommunikation unter Wasser verliert an Spontanität, durch die Taucherbrille erscheint jedes erfasste Objekt markant grösser als es tatsächlich ist, etc. …
Mit scheinbarer Schwerelosigkeit, im Wasser eingehüllt, vertrauen wir beim Tauchen auf unseren Atem, respektive die Technik, welche uns aus der Flasche mit lebensnotwendigem Sauerstoff versorgt. Abtauchen, sich abmelden und den Tauchgang geniessen, ist das Eine, wieder auftauchen und sich erneut der Realität zuwenden, ist das Andere.
Thun ist im Städte-Ranking abgetaucht. Rang 88! Betrüblich und für diesen Thuntaucher und die nahe Zukunft sehr bedenklich. Es stellt sich hier die Frage, wer die Verantwortung für dieses Resultat übernimmt?
Die Antwort auf diese Frage ist im Netzwerk der Politik zu finden; die Medaillen mit der Nummer 88 sind somit im Rathaus von Thun abzuholen (limitierte Auflage).
Die Politik setzt Leitplanken, öffnet Tore, schränkt ein, schafft Verbindungen, etc.: sie hat es direkt in der Hand Entwicklungen zu fördern oder diese zu verhindern.
Seit zu vielen Jahren entwickelt sich Thun wirtschaftlich abwärts und rückwärts. Im Bestreben nach Entwicklung ist Thun nicht aktiv danach ausgerichtet, gewinnbringende Veränderungen herbeizuführen. Das Sparen an der Substanz wird zelebriert, ein Leistungsabbau gegenüber der Bürgerin und dem Bürger praktisch als ausgeschlossen kommuniziert. Dadurch wird unverfroren durch die Hintertür eine Steuererhöhung zur Diskussion gestellt. Mit einer solchen Steuererhöhung ginge dem Thuntaucher definitiv die Luft aus: der wirtschaftliche Tiefstflug und somit die totale Unbeweglichkeit der Stadt Thun wäre beschlossen.
Da stellt sich doch die zweite Frage: Wie soll es dem Thuntaucher gelingen, sich aus dieser selbstverschuldeten Lage zu befreien?
Ich bin der eindeutigen Meinung, dass das Auftauchen nur unter drei Bedingungen erfolgreich sein kann:
1. Es müssen einschneidende und auch schmerzhafte finanzielle Kürzungen in allen Direktionen erfolgen.
2. Die proaktive Mittelbeschaffung und die optimierte Bewirtschaftung der bestehenden Strukturen ist als zentrale Aufgabe zu betrachten und umzusetzen.
3. Die Führung auf Exekutiv- und Verwaltungsebene müsste sich, begleitet von einer selbstkritischen Betrachtung, die Frage nach dem persönlichen Beitrag zum vergangenen und aktuellen Tiefgang stellen und daraus die Konsequenzen ziehen.
Wer verfügt über ausreichend Atem, um Thun aus diesem Tiefstgang herauszuholen? Welche Strukturen sind fähig und bereit, kantige Eingriffe durchzusetzen, um in messbaren Bewegungen wieder die Oberfläche zu erreichen?
Die kommenden Wochen und Monate werden für Thun wichtig sein. Die Fragen um die Energie Thun AG, die anstehende Aufgabenverzichtsplanung, die verkehrsfreie Innenstadt, die Umzonung für das Fussballstadion und das Einkaufszentrum Thun–Süd, etc. sind Prüfsteine als Wegweiser oder Stolpersteine mit dem Potential im Nachgang der Ergebnisse vorzeitige Neuwahlen auf der Führungsebene auszulösen.
Ich wünsche Ihnen ein gemütliches Auftauchen aus Ihren Ferien in die Arbeits- und Schulwelt und verbleibe mit dem nicht politischen Hinweis für alle Nichttaucher: ab Freitag 23. August 2007, 08:00 gibt Ihnen die Internetseite www.fischauge.ch den anderen Einblick in die klaren Tiefen von Thun.