Der „20-Rappen-Schlitz“

Verwirrung, Unverständnis, höchst kundenunfreundlich und auch etwas zum Schmunzeln: Die Thuner Parkplatzbewirtschaftung - eine Lachnummer für sich - gehört überdacht, wenn nicht sogar abgeschafft. Der gute alte „20-Rappen-Schlitz“ gibt zu reden.

Die Idee, den öffentlichen Grund für private Blechkäfer als Geldkuh zu nutzen, ist grundsätzlich zu befürworten – die Art und Weise der detaillierten Umsetzung ist in Thun jedoch dem gesunden Menschenverstand entglitten. Die Folge: Verwirrte und letztendlich unzufriedene Kunden von ganz nah bis hin zum fernen Ferienreisenden. Können und wollen wir uns das leisten?

Die Frage nach dem Ziel dieser Bewirtschaftungsumsetzung ist erlaubt? Geht es ums Prinzip? Um's Geld? Um Gleichbehandlung und Verhältnismässigkeit? Um Parkplätze freizulegen oder um das Aufreissen der Gartenzäune und das freie Parkieren im privaten Gemüsebeet zu provozieren.

Der Kunde sei König! Hallo? Kundinnen und Kunden unserer Stadt sind zum überwiegenden Teil die Bewohnerinnen und Bewohner von Thun – abgesehen davon auch die vielen Thun-Besucherinnen und Besucher. Zum Narren werden wir gehalten; Zone WQ? Was soll das?  - oder; Blaue Zone und weisse Parkfelder; Nur cirka jede zehnte Person ist farbenblind und fällt auf diesen Trick hinein – oder; wie kann ich nach verlassen einer Hauptachse die 16 mm hohen Buchstaben an einer Blech-Tafel erkennen, die mich ausserhalb des Scheinwerferkegels auf die hier gültige Parkordnung hinweisen? - Respektive, wie erkenne ich bei Tag und speziell in der Nacht, wo ich unter welchen Bedingungen parkieren darf, denn die Hinweistafel befindet sich ja nicht in direkter Sichtdistanz - so nach dem Motto; Eine Tafel am Dorfeingang –  drei Stück in den Bäumen versteckt und dann wieder eine Tafel am Dorfausgang, reicht aus.

 

Dass gut gemeinte Projekte, wie in diesem Fall die Parkplatzbewirtschaftung, in der Ausführung vor lauter gutem Willen und sich überlagernden Gesetzgebungen übersteuert werden, ist unglücklich aber menschlich. Fatal wie menschlich unverständlich, ist jedoch das passive Verhalten der zuständigen Behörde nach offensichtlichem und anhaltendem Unmut über dem System.

Was denken unsere Gäste über unsere „falsch parkierte“ Parkplatzbewirtschaftung? Haben Sie schon einmal den Versuch unternommen, Ihren Freunden „unser“ Parkplatzbewirtschaftungssystem zu erklären?  Wie kompliziert wollen wir uns eigentlich einrichten und präsentieren? Was braucht es noch bis man in Thun endlich realisiert, dass man mit dieser Parkordnung die Bürgerinnen und Bürger zu Narren macht?

Es bedarf einem System, welches nach dem gesunden Menschenverstand ausgelegt ist, eine verständliche, klare Sprache spricht und in der Anwendung auf jedem Parkfeld funktioniert. Dort wo ein simples System nicht angewendet werden kann, ist auch kein anderes System einzuführen. Alles andere ärgert die Nutzer und disqualifiziert die Betreiber.

Einheitliche Tarife in Parkhäusern und auf der Strasse? Aufhebung der Gebühren um Schulhäuser, Turnhallen, Friedhöfe und öffentliche Bauten? Bezahlung mit EC-Cash-Karte? Blaue Zone und weisse Felder? Zuerst parkieren, dann bezahlen (analog Parkhaus). Erfassung aller in Thun vorhandenen Parkhäuser in einem einheitlichen Bewirtschaftungskonzept? Ein Parkleitsystem über alle Grossparkplatzangebote? Das Bewirtschaftungssystem geographisch sinnvoll eingrenzen? Ein einheitliches Verständnis für das Parkieren schaffen?

Noch einmal; es ist korrekt, die Parkfelder zu bewirtschaften und entsprechend „Zwänzgi“ in den Schlitz des Groschenschluckers oder des Dukatenfressers zu drücken.

Wann das „Zwänzgi“ für eine gebrauchstaugliche Lösung bei der zuständigen Behörde „abe g’heit“ ist offen – es wäre doch eine prima Gelegenheit, gemachte Fehler in der Öffentlichkeit zu korrigieren und damit ein positives Zeichen für ein verständnisvolles, bewegliches Miteinander zu setzen.

Parkieren Sie gut oder fahren Sie Velo.

Matthias Zellweger