Denkpause in Thun?
In vergangener Zeit erleben wir immer öfter, dass auf grössere Projekte Einsprachen erfolgen – dies ist ein klares Signal für eine unausreichende Akzeptanz, fehlende Kommunikation und mangelndes Vertrauen in die Projekte – oder es wurden schlichtweg die Hausaufgaben nicht gemacht.
Solche Einsprache-Ereignisse, wie z.B. beim Stadion Thun, bei der Seestrasse, der Überbauung Schadaugärtnerei, etc., … müssen selbstkritisch ernst genommen werden.
Wiederholen sich solche Prozesse, wird es für Projektentwickler immer schwieriger, im Vorfeld das Vertrauen der Projekttangierten zu gewinnen und diese als konstruktive Partner ins Boot zu holen. Kommunikatives Unvermögen seitens der Gesuchsteller und eine auf Vertrauensverlust basierende Konfrontationshaltung liegt diesem Geschehen zu Grunde.
Es ist an der Zeit, sich einmal ernsthaft Gedanken zu machen, wie das weiter gehen soll.
Sollten wir nicht einfach wieder einmal gesamtheitlich denken und uns nicht auf einseitig zugetragene Informationen abstützen, bevor wir handeln?
Je mehr Information wir haben, desto besser denken und handeln wir. Da jedes bisschen Information uns weiterhilft, müssen wir gerade diese Zeit nutzen, um die Informationen zu sammeln … darum haben wir kaum Zeit, über das Denken als Fähigkeit nachzudenken. Einfach ausgedrückt: Wenn wir keine vollständigen Informationen bekommen, sollten wir mehr Zeit für besseres Denken aufwenden.
Geht es um Zukunftsprojekte ist es so, dass wir nie die vollständigen Informationen erhalten können, daher muss man in diesen Projekten in einer Frühphase viel denken. Denken hat notabene nichts mit Intelligenz zu tun; Die Annahme ist grundlegend falsch, dass nur wer hochintelligent ist ein Denker sein kann, resp. wer weniger schlau ist, kann kein grosses Denktalent sein. Hochintelligente Menschen können ebenso erbärmliche Denker sein, wie in angeblich einfachen Leuten grosse Geister entdeckt werden können.
Unklare Informationen (z.B. politische Doppelpackungen) führen in der beliebten Konfrontationshaltung zum Scheindenken, welches als Zufluchtsort für den mittelmässigen wie den brillanten Geist dient. Man kann von beiden Seiten her wirklich alles kritisieren, in dem man dauernd den Bezugsrahmen wechselt; Ist z.B. die vorgeschlagene Strasse schmal, so hätte ich diese lieber breit. Ist die vorgeschlagene Strasse breit, so hätte ich lieber dazu noch ein Trottoir, etc, ….
Am schlimmsten ist, dass dieses negative Denken gute Ideen innerhalb der Projekte zerstört. Eine Idee kann zu 90% richtig und zu 10% unzureichend sein. Anstelle die problematischen 10% zu diskutieren, wird zu oft das ganze Vorhaben attackiert, die Unzulänglichkeit behauptet und festgestellt; wer auf eine solche Idee kommt, sei ein Dummkopf. Damit wird impliziert, dass die korrekten 90% ebenfalls von einem Trottel stammen. Solche Denkweisen sind im alltäglichen Konfrontationssystem sehr töricht aber leider Tatsache, solang kein Vertrauen besteht.
Um interessante Projekte umzusetzen, braucht es gewollte Denkarbeit. Das Zusammenspiel zwischen politischen Amtsträgern, der Verwaltung, den Investoren und der Bevölkerung muss zwingend eine verständliche Sprache finden, um gemeinsam wieder erfolgreich zu werden.
Es steht diesbezüglich viel Arbeit an, eine Arbeit, welche darauf beruht, auf die Menschen zuzugehen resp. den Puls der Gesellschaft aktiv spüren zu wollen.
Dass dieses verbindende Vorhaben gelingt, sind Figuren notwendig, welche ausserhalb des Konfrontationssystems die Bereitschaft leben, stets nach echten und ernstgemeinten Alternativen zu suchen.
Wir sollten uns mehr Zeit nehmen zum denken und damit die Basis legen, dass verändernde Projekte auch in Thun eine Umsetzungschance kennen.
Machen wir doch mal Pause.
Eine Denkpause für Thun.
Denken braucht etwas Zeit.
Mehr nicht.
Der Kopf ist rund, nicht nur, dass die Mütze besser auf die Kugel passt, sondern damit im Kopf auch mal in eine andere Richtung gedacht werden kann.
Matthias Zellweger