Herr Blocher, stehlen sie immer noch Fahrräder?
Satt habe ich sie die Rätschifüdli, Halbwahrheiten-Erzähler und Stammtisch-Besserwisser, das „Umelafere“, das Leute Anschwärzen sowie das ins Rampenlicht Zerren von Personen, diese den Medien vorzuführen und der sensationshungrigen Gesellschaft zur Verurteilung zu servieren.
Es scheint ein Zeitgeist unserer Gesellschaft zu sein, Personen mit nicht fundierten Halbwahrheiten anzugreifen. Der Angriff erfolgt gezielt in der Kompetenz-Grauzone. Grauzonen sind eben nicht abschließend geregelt. Der zu Beginn nur verbale Angriff ist deswegen erfolgreich zerstörerisch, weil in einer Grauzone Fragen nie abschliessend und zur Zufriedenheit aller beantwortet werden können. Eine Unschuld kann nicht nachgewiesen werden.
Wo Führung gefordert ist, sind es einerseits gesellschaftsanerkannte Werte, andererseits Zahlen, Mengen und Rechtsbelange oder aber auch Richtlinien, Spielregelen und Reglemente, die eine Grauzone eingrenzen. Nur eingegrenzt kann sie werden die Grauzone, aber kaum durch Vorschriften je eliminiert. Wird man in dieser Grauzone angegriffen, ist die Basis für eine Verteidigung ein schlechte. Woran soll ich mich halten? Man kämpft um seine Rechtfertigung für die getroffenen Entschiede in der Grauzone.
Um dieser Situation eines Angriffs erfolgreich entgegen zu halten, bedarf es einer starken Persönlichkeit und eines loyalen nahen Umfeldes. Diese Kriterien sind nicht immer vorhanden und die Angegriffenen müssen oft das Handtuch werfen. In der Sache mögen sie sich rechtfertigen aber der Mensch wird in seiner Moral gebrochen und in seiner Reputation nach aussen mit einem Imageverlust negativ belastet.
Angriffe auf Personen erfolgen in letzter Zeit immer öfter. Es ist medial betrachtet viel einträglicher „auf Köpfe“ als auf Strukturen zu schiessen. Wir wollen ja Schicksale erleben - ein Autounfall zieht immer noch mehr Leute an als eine Preisverleihung.
Aus welchen Gründen werden Personen gezielt in der Grauzone angegriffen? Weil der Angriff auf der sachlichen und geregelten Ebene nicht gelingt. Es bleibt also nur noch die Grauzone als „offene Trefferfläche“ zum Angriff.
Ein solcher Akt kann nur die Absicht haben, der anderen Person bewusst zu schaden und sein Ansehen zu ramponieren. Sind es Neid, Minderwertigkeitsgefühl, Missgunst oder sachliche Unfähigkeit, die zu solchem Vorgehen animieren? Sind es einfach „mediengeile Rätschifüdli“, welche um zu „rätschen“ selber nicht davor zurückschrecken, Regeln zu brechen, um zu privaten Informationen über den Kontrahenten zu gelangen.
Wohin führt dies “ immer auf den Töggu zu schießen“?
Wer in einer öffentlichen Funktion arbeitet, ist dieser Situation permanent ausgesetzt.
Wer angegriffen wird und nicht stark ist, bekommt Angst und reagiert meist falsch.
Von außen betrachtet, hat man dann oft das Gefühl: „Hat diese Person denn keine eigene Meinung mehr?“ Eine eigene Meinung zu etwas, das eigentlich mit einer Richtlinie geregelt ist? Hallo? ... und schon sind wir nahe an der Grauzone!
Sie können es machen wie sie wollen, es gelingt ihnen praktisch nicht, im Vorwurfsfall souverän den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Zwischen richtig und falsch, zwischen „ich darf das“ und „ich darf das nicht“ gibt es interpretationsoffene Bereiche. Mal sind diese Bereiche enger, mal offener.
Wir alle bewegen uns im Alltag immer und immer wieder in einer Grauzone.
Auf diesem labilen Feld, der Grauzone des Dürfens, ist jede Person ungesichert und verletzend angreifbar. Wie? Sie nicht? Aha! Sie sind perfekt und kennen keine Grauzone? Tip-top, dann hören Sie auf zu lesen - sie dürfen jetzt weiterblättern.
So, sie lesen trotzdem weiter? Willkommen im Club der Menschen mit Grauzone. Übrigens braucht es, um jemanden ins Rampenlicht zu stellen, nicht einmal ein wirkliches Ereignis, sondern es genügt ein rein erfundenes Thema und eine perfide Form der Kommunikation, die Anwendung der sogenannt „geschlossenen Frage“, um eine Person in der Konfrontation zu schwächen.
Wer glaubt, dass das „ausgerechnet mir“ sicher nicht passieren kann? Lassen Sie sich anhand eines frei erfundenen Ereignisses am Beispiel eines bekannten Provokateurs, der glaubt sich nie in einer Grauzone zu bewegen, aufzeigen:
Herr Blocher, stehlen sie immer noch Fahrräder?
Antwortet der Befragte mit "JA", ist er das Opfer und bekennt sich zu einer Straftat.
Antwortet er mit "NEIN", so bestätigt der Befragte, dass er in der Vergangenheit Fahrräder gestohlen hat und ist damit auch ein Straftäter.
Will der Befragte nicht auf die Frage eintreten, wird ihm vorgeworfen, dass er nicht konfrontationsfähig ist und sich einer Beantwortung entzieht, weil er mit Bestimmtheit etwas zu verbergen hat.
Sie können es drehen wie Sie es wollen; nachdem die Frage ausgesprochen ist, ist der Schaden bereits angerichtet.
Es muss nicht immer ein Fahrrad sein, manchmal ist es auch nur ein lapidares Stück Papier.
„Rätschen“ oder das Weitererzählen von Halbwahrheiten sind moralisch verwerflich. Im Anschluss an eine unbedachte Tat zu behaupten, man habe nur helfen wollen, ein Thema aufzuklären, ist grottenschlecht und verlogen.
Schauen Sie um sich, schauen Sie hinter sich und vor allem schauen Sie in den Spiegel – welche Rolle spielen Sie?
Es soll sich doch bitte jeder Einzelne mehr auf seine Rolle besinnen - einfach nur auf seine Rolle.
Ich gehe jetzt nachschauen, ob mein Fahrrad abgeschlossen ist.
Matthias Zellweger